Informationen zur Gender-Themenwoche

Erstmalig fand in diesem Schuljahr eine Gender-Themenwoche am Gymnasium Marianum statt. Sie richtete sich an die Schülerinnen und Schüler der Jahrgangsstufe 8 und wurde vom 29. Januar bis zum 1. Februar 2018 durchgeführt.

Gender ist der englische Begriff für „Geschlecht“ als soziale Konstruktion. Er meint gesellschaftlich vereinbarte und damit veränderbare Rollenverhaltensweisen und -zuschreibungen von „typisch weiblich“ und „typisch männlich“.

 

Ausgehend von Erfahrungen der körperlichen Veränderung und sozialen Herausforderungen, die die Pubertät und das Erwachsenwerden mit sich bringen, war das Ziel der Gender-Themenwoche, den Schülerinnen und Schülern Möglichkeiten zu bieten, einen Blick auf sich selbst und die eigene (Geschlechts-) Identität zu richten. Wie kann ich mit körperlichen Veränderungen umgehen? Wie prägen diese Veränderungen meine Sicht auf mich selbst? Welche Erwartungen haben die anderen an mich als Mädchen/Frau, Junge/Mann?

Diese und andere Fragen wurden unter verschiedenen Perspektiven, mit unterschiedlichen inhaltlichen und methodischen  Zugängen ins Bewusstsein gerückt und für eine Persönlichkeitsentfaltung gewinnbringend bearbeitet.

Im Laufe der Woche haben die Schülerinnen und Schüler während der Unterrichtszeit in Workshops zu verschiedenen Themen gearbeitet, deren Leitung von externen Moderatoren übernommen wurde.

1.        Du bist ein Mädchen, Du bist eine Junge – Rollenwahrnehmung und Rollenklischees

Auseinandersetzung mit Geschlechterrollen, Rollenzuschreibungen und eigener Persönlichkeit

Leitung: Isabell Schröder, Mareike Stöver, MA Erziehungswissenschaftlerinnen, AWO Kreisverband Höxter

 

2.        Mein Körper verändert sich - Aspekte körperlicher Veränderungen - Herausforderung für Mädchen und Jungen

Stimme im Umbruch - Stimmarbeit für Jungen: Anatomische und physiologische Grundlagen und Stimmbildung mit Körperschulung, Übungen für Atmung, Phonation und Klangformung

Leitung: Thomas Volmert, ehem. Musiklehrer des Marianum

Ich und mein Körper: Sexuelle Selbstbestimmung, Verantwortung - Workshop für Mädchen                                                        Leitung: Anna Zeppenfeld, AKGG, Paritätischer Wohlfahrtsverband, Kassel

 

3.        Mein Körper gehört mir - Selbstbehauptung und sexuelle Selbstbestimmung

Auseinandersetzung mit Geschlechterrollen und eigner Persönlichkeit; Wertschätzung des eigenen Körpers und differenzierte Wahrnehmung eigener Gefühle, Bedürfnisse und Interessen; Formen von Körperkontakt und deren persönliche Bewertung; Wahrnehmen und Setzen von Grenzen; Handlungsmöglichkeiten bei Bedrohung

Leitung: Tobias Flore, KMC-Trainer, Warburg

 

4.        Gesundheit! Mein Körper braucht mich – Ernährung, Bewegung und Stressbewältigung als Voraussetzung für körperliche und psychische Gesundheit

Der Umgang mit dem eignen Körper: Lernen von Achtsamkeit dem Körper gegenüber, Wahrnehmen und Verstehen von Körpersignalen, gesundheitsförderndes Verhalten - Eine Annäherung aus physiologischer Sicht mit Praxismodulen im Bereich Sport, Bewegung und Ernährung, Stressbewältigung

Leitung Bereich Sport, Bewegung: Daniela Luca, Zumba Instruktorin, Warburger Sportverein e.V.

Leitung Bewegung, Stressbewältigung: Monika Schaberich, Sportpädagogin, Warburger Sportverein e.V.

Leitung Bereich Ernährung, Bewegung: Dr. med. Stephan Lindemann, Chefarzt Kardiologie, HELIOS Klinikum Warburg

 

5.        Ich & Ich: Selbstdarstellung in sozialen Netzwerken

Mein Profil in sozialen Netzwerken: Wie stelle ich mich dar? Welche Dinge offenbare ich? Welche Wirkung hat meine Selbstdarstellung auf andere? - Ein Blick auf Identität, Selbstdarstellung und Gefahren in sozialen Netzwerken

Leitung: Medienscouts des Gymnasium Marianum (zertifizierte Schülerinnen und Schüler des Jg. 8) mit Alexandra Dittmeier und Katharina Bremer (begleitende Lehrerinnen)

 

Bei der Durchführung war es möglich, auf die Zusammenarbeit mit verschiedene Kooperationspartnern des Gymnasium Marianum zurückzugreifen: Fachkräfte des Warburger Sportvereins (Daniela Luca und Monika Schaberich) ebenso wie des HELIOS-Klinikums, Warburg (Dr. Stephan Lindemann und Fr. Fleischhacker) übernahmen die Moderation mehrerer Workshops. An dieser Stelle konnte die Kooperationspartnerschaft konkretisiert und mit Leben gefüllt werden.  Auch das schulinterne Bildungsangebot der Medienscouts, bei der zertifizierte Schülerinnen und Schüler als Medienscouts Wissen weitervermitteln und so aus Schülerperspektive an ihre Mitschüler weitergeben, bildete ein Praxismodul. Auch durch das Engagement der AWO, Kreisverband Höxter mit Isabell Schröder und Mareike Stöver, den Arbeitskreis AKGG, Kassel mit Anna Zeppenfeld, den KMC-Trainer Tobias Flore sowie Thomas Volmert als ehemaliger Musiklehrer wurde das Projekt getragen.

Die Auftaktveranstaltung bildete ein Eltern-Kind-KinoAbend am 23.1.2018 im Cineplex Warburg.  Mit dem Jugendfilm Die Farbe der Milch, der eine Vielzahl von Herausforderungen, die Pubertät, Erwachsenwerden und Identitätssuche mit sich bringen, thematisiert und mehrfach ausgezeichnet wurde, wurde sensibilisierend in die Thematik eingeführt.

Der projektorientierte Unterricht wurde von den Schülerinnen und Schülern gut angenommen, was sicher auch in einem großen Engagement, das die einzelnen Trainer und Moderatoren mit in ihre Workshops brachten, begründet ist. So haben diese besonderen Lernsituationen für die Schülerinnen und Schüler einen Beitrag geleistet, einen Blick auf sich selbst zu richten und Perspektiven für die Suche nach der eigenen Persönlichkeit vor dem Hintergrund von Pubertät und körperlicher Veränderungen zu finden. Schule als Lernort für das Leben wurde hier konkretisiert.

 

Das Programm schließt sich dem pädagogischen Konzept des Gymnasium Marianum an.

Mit der Durchführung der Gender-Themenwoche möchten wir einen Beitrag leisten, Schülerinnen und Schüler zu einer selbstbestimmten und sozial verantwortungsbewussten Lebensgestaltung zu befähigen – unabhängig von einschränkenden Geschlechtsrollenklischees. Damit schließt sich die Themenwoche dem Leitaspekt der individuellen Förderung an, indem sie darauf zielt, Mädchen und Jungen gleiche Entfaltungsmöglichkeiten und ein gleiches Spektrum an Ausdrucksmöglichkeiten und Gestaltungsperspektiven zu eröffnen mit dem Ziel

-          der Sensibilisierung für geschlechtsspezifisches Rollenverhalten und geschlechtsspezifische Rollenbilder,

-          der Bildung einer eigenen Geschlechtsidentität,

-          der Förderung von individuellen Fähigkeiten und Fertigkeiten jenseits gesellschaftlicher Rollenzuschreibungen,

-          der Überwindung einschränkender Rollenklischees.

 

Pubertät und körperliche Veränderung, Ansprüche, die das Umfeld stellt  sind große Herausforderungen, die sich Jugendlichen stellen und sie stehen vor der Aufgabe, einen Weg für sich zu finden, Persönlichkeit auszubilden, Identität zu erarbeiten. Das Projekt fordert, einen Blick auf sich selber zu richten, die Erwartungen des Umfeldes wahrzunehmen, sie mit eigenen Vorstellungen abzugleichen und einschränkende Geschlechtsrollenerwartungen und -zuschreibungen kritisch zu hinterfragen, den eigenen Körper als Identitätsmerkmal wahrzunehmen und wertzuschätzen. Dazu gehört Selbstbewusstsein und Mut, den eignen Weg auch jenseits gesellschaftlicher Erwartungen und Klischees zu finden. Das Projekt unterstützt Jugendliche auf ihrem Weg zu Selbstbestimmung und der Entfaltung ihrer ganz eigenen Persönlichkeit.

Olivia Lücke

Projektleiterin 

 

Selbstverteidigung mit Trainer Tobias Flore: Die Bedeutung von Körpersprache, Körpersignalen, Selbstbewusstsein und Techniken der Gefahrenabwehr wurden der 8b (hier mit Tyler) professionell vermittelt…
...von Emma und Sarah gekonnt umgesetzt...
Den Körper wertschätzen, Stress bewältigen: Faszientraining der Klasse 8c mit Monika Schaberich vom Warburger Sportverein e.V.
Möchte ich den Erwartungen, die als Mädchen oder Junge an mich gestellt werden entsprechen oder gehe ich meinen eigenen Weg? Rollenbilder und Geschlechterklischees standen im Mittelpunkt des Workshops mit Isabell Schröder und Mareike Stöver von der AWO, Kreisverband Höxter und öffneten der 8c den Blick für einschränkende Geschlechtsrollenerwartungen