„Der böse Expressionismus“ / Ausstellungsbesuch in Bielefeld

Am 09.03.2018 haben wir uns in der Bielefelder Kunsthalle die Ausstellung „Der böse Expressionismus“ angeschaut, wobei wir von Frau Kröger-Mertens und Frau Raßmann begleitet wurden. Nach langer Busfahrt wurden uns dort im Rahmen von zwei parallel zueinander stattfindenden, inhaltlich jedoch weitestgehend identischen Führungen verschiedene expressionistische Werke vorgestellt, welche sowohl Aktmalerei als auch  gesellschaftskritische Motive abbildeten. Da manche expressionistische Künstler nicht nur unbekleidete Frauen in ganz alltäglichen Situationen darstellten, sondern auch mehrere nackte Mädchen abbildende Werke anfertigten, waren ihre Bilder nicht nur zur Wilhelminischen Zeit verpönt, sondern werden auch heute noch (teilweise) kritisch bewertet. Viele damals aktuelle gesellschaftliche und politische Probleme wurden ebenfalls künstlerisch aufgegriffen, wobei unterschiedliche soziale Schichten im Rahmen von expressionistischen Gemälden von wenigen Figuren symbolisch-plakativ repräsentiert wurden. Anschließend durften wir uns „auf eigene Faust“ verschiedene Werke zu anderen, zuvor noch nicht behandelten Themenblöcken anschauen, wozu sowohl grausame,  menschliche Gräueltaten sowie Leiden abbildende Kriegsszenarien als auch sozialistisch beeinflusste Kritik an Industrialisierung und damit einhergehender wirtschaftlicher Ausbeutung unterer Gesellschaftsschichten gehörten. Auch wurden expressionistische Selbstporträts  ausgestellt, wobei bewusst innere Zustände und Geisteshaltungen nach außen gekehrt wurden, was teils sehr grotesk-schaurig anmutete. So haben wir nicht nur sehr viel über Kunstgeschichte und jenen „bösen“, vor allem aber sehr provokanten, alles bürgerliche ablehnenden Expressionismus gelernt, sondern auch sehr lebendige, facettenreiche Eindrücke vom Wilhelminischen Zeitalter, Erstem Weltkrieg und Nachkriegszeit sammeln können: Industrialisierung und Urbanisierung einerseits – Prüderie, Armut und Krieg  andererseits. 

Marie